Henriot-Quimper-Fayence bezeichnet eine Keramikproduktion, die im Viertel Locmaria in Quimper entstand und auf eine mehr als drei Jahrhunderte umfassende Geschichte zurückblickt. Unter den Tausenden von Stücken aus den Werkstätten ziehen bestimmte Kategorien aus ganz bestimmten Gründen die Aufmerksamkeit von Sammlern auf sich: die Zuschreibung an einen bekannten Künstler, eine ungewöhnliche Form, ein außergewöhnliches Dekor oder eine begrenzte Produktionszeit.
Um ein gewöhnliches von einem seltenen Stück unterscheiden zu können, sollte man einige technische Anhaltspunkte kennen, bevor man sich auf die Suche oder den Kauf macht.
Signaturen und Marken von Henriot Quimper: Was die Rückseite eines Stücks verrät
Bevor es um Seltenheit geht, sollte man zunächst die Rückseite betrachten. Die Fayencerie Henriot-Quimper verwendete im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Signaturen. Jede steht für einen bestimmten Produktionszeitraum und ermöglicht eine ungefähre Datierung.
Die ältesten Marken, oft von Hand aufgemalt und mitunter schwer zu entziffern, weisen auf Stücke hin, die vor den industriellen Zusammenschlüssen des 20. Jahrhunderts entstanden. Eine alte handschriftliche Signatur deutet auf eine handwerkliche Produktion in kleiner Auflage hin – ein Merkmal, das für Sammler besonders interessant ist.
Stücke mit der doppelten Kennzeichnung „HB“ und „Henriot“ stammen aus der Zeit nach dem Zusammenschluss der Grande Maison HB mit Henriot. Ein Stück, das lediglich mit „Henriot Quimper“ signiert ist und zusätzlich eine Modellnummer oder ein Künstler-Monogramm trägt, liefert weitere Hinweise auf seine Seltenheit. Ein Blick auf eine Sammlung antiker Henriot-Quimper-Fayencen ermöglicht es, diese Marken visuell zu vergleichen und die Bestimmung zu präzisieren.

Henriot-Fayencen mit Künstlerzuschreibung: Das Kriterium, das den Wert verändert
Der Markt für Fayencen aus Quimper unterscheidet klar zwischen gängigen Dekoren (der kleine Bretone, die Bretonin mit Haube) und Stücken, die von einem namentlich bekannten Künstler geschaffen wurden. Diese Zuschreibung beeinflusst den Wert eines Stücks am stärksten.
Robert Micheau-Vernez zählt zu den gefragtesten Namen. Auktionsergebnisse belegen, dass Henriot-/Quimper-Lose ihm zugeschrieben werden; die Zuschläge fallen je nach Stück unterschiedlich aus. Auch Mathurin Méheut und René Quillivic, die in den 1920er-Jahren die Produktion der Manufakturen Porquier und HB leiteten beziehungsweise beeinflussten, werden mit begehrten Stücken in Verbindung gebracht.
Eine verlässliche Zuschreibung stützt sich auf drei zusammenwirkende Merkmale:
- Die Signatur oder das Monogramm des Künstlers auf der Rückseite, zusätzlich zur Marke der Manufaktur.
- Die Übereinstimmung des Dekors mit dem bekannten Werk des Künstlers (maritime Szenen, stilisierte Figuren, Art-déco-Motive).
- Die Übereinstimmung des Produktionszeitraums mit der Zeit, in der der Künstler für die Fayencerie tätig war.
Ein Stück, das lediglich den Stempel Henriot trägt und keinen Künstler nennt, ist ein Manufakturprodukt. Die Zuschreibung an einen bekannten Künstler macht aus einem Dekorationsobjekt ein Sammlerstück.
Seltene Formen und limitierte Serien: mehr als Teller und Schalen
Teller und Schalen machen den Großteil der Henriot-Quimper-Produktion aus, die auf dem Sekundärmarkt zu finden ist. Online werden ständig mehrere Hundert solcher Stücke angeboten. Gerade diese große Verfügbarkeit erklärt, warum ungewöhnliche Formen besonders auffallen.
Zu den begehrtesten Stücken dieser Kategorie zählen Musikinstrumente aus Fayence (Mandolinen, dekorative Geigen), vollplastische Figuren, Vasen mit komplexen Formen und monumentale Einrichtungsobjekte. Ein dokumentiertes Auktionsbeispiel ist eine französische Fayence-Mandoline aus dem 19. Jahrhundert, möglicherweise aus Quimper oder Desvres, die für mehrere Tausend Euro zugeschlagen wurde.

Neuere limitierte Serien wie die von Henriot-Quimper herausgegebene Max-Jacob-Serie folgen einer anderen Logik. Ihre begrenzte Auflage sorgt für eine gewisse Seltenheit, doch ihr Wert auf dem Sekundärmarkt hängt von der tatsächlichen Nachfrage der Sammler ab, die sich erst mit der Zeit bestätigen wird.
Reproduktionen alter Dekore und Unikate
Die Manufaktur bietet Reproduktionen alter Dekore sowie handbemalte Unikate an. Diese zeitgenössischen Kreationen dürfen nicht mit antiken Stücken verwechselt werden. Eine Reproduktion eines alten Dekors ist ein neues Stück, auch wenn sie ein Motiv aus dem 18. Jahrhundert originalgetreu wiedergibt. Erfahrene Sammler prüfen stets das tatsächliche Herstellungsdatum.
Die Seltenheit einer Henriot-Fayence beurteilen: Häufige Fallstricke
Die auf Auktionen erzielten Preise variieren stark, selbst bei Objekten mit dem Namen Henriot-Quimper. Eine Übersicht der Auktionsergebnisse kann sowohl Geschirrposten für einige Dutzend Euro als auch Figuren für mehrere Hundert Euro enthalten. Drei Fehler kommen bei Käufern besonders häufig vor.
- Einen Posten mit mehreren Stücken mit einer Einzelbewertung verwechseln: Online-Auktionsergebnisse fassen Verkäufe aus verschiedenen Ländern und auf unterschiedlichen Plattformen zusammen; manche Einträge beziehen sich auf Lose mit mehreren Stücken.
- Ein gut erhaltenes, aber gängiges Modell überbewerten: Die Signatur Henriot Quimper allein reicht nicht aus, um einen hohen Wert zu begründen. Modell, Zeitraum und Dekor sind ebenso wichtig.
- Den Erhaltungszustand außer Acht lassen: Ein Abplatzer, ein Riss oder eine sichtbare Restaurierung mindert den Wert – auch bei einem seltenen Stück. Sammler erwarten in der Regel einen nahezu originalen Zustand.
Auktionsergebnisse sind hilfreiche Vergleichswerte, aber keine direkten Schätzungen. Wer ein Einzelstück mit einem Los aus mehreren Objekten vergleicht, verfälscht die Analyse.
Echtheit und historische Fälschungen
Das Problem ist nicht neu. Bereits im 19. Jahrhundert reproduzierten die Manufakturen in Malicorne und Desvres Dekore aus Quimper. Dadurch entstand eine Verwechslungsgefahr, die bis heute besteht. Bei manchen versteigerten Stücken lässt sich die Herkunftsstadt noch immer nicht mit Sicherheit bestimmen. Die Herkunft zu überprüfen, ist die wichtigste Vorsichtsmaßnahme vor jedem Kauf auf dem Sammlermarkt.
Die Seltenheit einer Henriot-Quimper-Fayence bemisst sich am Zusammenspiel mehrerer Kriterien, niemals an einem einzigen. Ein antikes Stück, das einem Künstler zugeschrieben wird, eine ungewöhnliche Form aufweist und gut erhalten ist, erfüllt alle Voraussetzungen. Fehlt auch nur eines dieser Merkmale, verändert sich die Position des Objekts auf dem Markt erheblich.



